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AWO Brandenburg

Kurzprofil
TypWohlfahrtsverband (e.V.)
LandesverbandAWO Landesverband Brandenburg e.V.
BezirksverbändeAWO Nord, AWO Ost, AWO Süd + AWO Potsdam
Umsatz AWO Süd120 Mio. € (+ 70 Mio. Töchter)
Personalaufwand Süd89,2 Mio. €
Beschäftigte Süd2.900
MitgliedAktionsbündnis Brandenburg
KategorieWohlfahrtsverband / Asylindustrie

Überblick

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Brandenburg gliedert sich in einen Landesverband und drei Bezirksverbände (Nord, Ost, Süd) sowie den eigenständigen Bezirksverband AWO Potsdam. Die AWO zählt damit zu den größten Wohlfahrtsverbänden im Land Brandenburg und ist ein zentraler Akteur in der Migrations- und Integrationsarbeit.

Allein der AWO Bezirksverband Süd erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 120 Millionen Euro, hinzu kommen 70 Millionen Euro aus Tochtergesellschaften. Der Personalaufwand beläuft sich auf 89,2 Millionen Euro bei rund 2.900 Beschäftigten. Diese Zahlen verdeutlichen die wirtschaftliche Dimension eines Wohlfahrtsverbands, der sich zunehmend als Dienstleistungskonzern mit quasi-staatlichem Auftrag darstellt.

Organisationsstruktur

Die AWO Brandenburg operiert über ein mehrstufiges Verbandssystem:

  • AWO Landesverband Brandenburg e.V. — Dachverband auf Landesebene, politische Interessenvertretung, Koordination der Bezirksverbände. Mitglied im AWO-Bundesverband.
  • AWO Bezirksverband Süd — größter Bezirksverband. 120 Mio. € Umsatz, 2.900 Beschäftigte. Betreibt Übergangswohnheime, Kitas, Pflegeeinrichtungen und Beratungsstellen. Mehrere Tochtergesellschaften (gGmbH) mit zusammen 70 Mio. € Umsatz.
  • AWO Bezirksverband Nord — Region Prignitz, Ostprignitz-Ruppin, Oberhavel, Havelland. Sozialarbeit, Beratung, Kinder- und Jugendhilfe.
  • AWO Bezirksverband Ost — Region Märkisch-Oderland, Oder-Spree, Frankfurt (Oder). Migrationssozialarbeit, Kitas, Altenhilfe.
  • AWO Potsdam — eigenständiger Bezirksverband für die Landeshauptstadt.

Die Zersplitterung in mehrere Bezirksverbände mit eigenen Tochtergesellschaften macht eine Gesamtübersicht über Umsätze, Mitarbeiter und öffentliche Fördermittel schwierig. Konsolidierte Zahlen für die gesamte AWO Brandenburg werden nicht veröffentlicht.

AWO Süd — Finanzkennzahlen

Der AWO Bezirksverband Süd ist der mit Abstand größte und am besten dokumentierte Teil der AWO Brandenburg:

  • Umsatz Hauptverband: ca. 120 Mio. €
  • Umsatz Tochtergesellschaften: ca. 70 Mio. €
  • Personalaufwand: 89,2 Mio. € (74% des Hauptverbands-Umsatzes)
  • Beschäftigte: ca. 2.900

Der Personalaufwand von 89,2 Millionen Euro bei 2.900 Beschäftigten ergibt durchschnittliche Personalkosten von rund 30.800 Euro pro Kopf — ein Wert, der auf einen hohen Anteil an Teilzeitbeschäftigung und niedrigen Lohngruppen hindeutet, wie typisch für die Wohlfahrtspflege.

Zum Vergleich: Der AWO-Bundesverband wies 2022 einen konsolidierten Gesamtumsatz aller Gliederungen von über 14 Milliarden Euro aus — die AWO ist damit einer der größten deutschen Arbeitgeber.

Migrationsarbeit

Die AWO Brandenburg ist im Bereich Migration und Integration auf mehreren Ebenen aktiv:

  • Migrationssozialarbeit: Beratung und Begleitung von Migranten und Flüchtlingen zu Aufenthaltsrecht, Sozialleistungen, Arbeitsmarkt und Bildung. Finanziert über Landesmittel und kommunale Zuschüsse.
  • Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE): Bundesfinanziertes Programm (über BAMF/BMI). Die AWO ist einer der sechs vom BAMF anerkannten MBE-Träger bundesweit.
  • Übergangswohnheime: Betrieb von kommunalen Flüchtlingsunterkünften, u.a. in Rathenow und Premnitz (Landkreis Havelland). Die AWO ist hier Betreiber im Auftrag der Kommunen.
  • Jugendmigrationsdienst (JMD): Beratung für junge Migranten (12–27 Jahre), finanziert über das BMFSFJ.

Mit dem Betrieb von Unterkünften, der Sozialberatung und den bundesfinanzierten MBE-Stellen deckt die AWO die gesamte Wertschöpfungskette der Migrationsarbeit ab — von der Unterkunft über die Beratung bis zur Integration.

Öffentliche Finanzierung

Die AWO Brandenburg finanziert sich ganz überwiegend aus öffentlichen Mitteln. Die Einnahmequellen verteilen sich auf:

  • Kommunale Aufträge: Betrieb von Unterkünften, Kitas, Pflegeeinrichtungen. Vergütung über Leistungsentgelte und Pflegesätze.
  • Landesmittel Brandenburg: Migrationssozialarbeit, Integrationsförderung, „Zusammenhalt durch Teilhabe"-Programme.
  • Bundesmittel: MBE (BAMF/BMI), JMD (BMFSFJ), Demokratie leben! (BMFSFJ).
  • EU-Fonds: ESF- und AMIF-geförderte Projekte im Bereich Integration und Arbeitsmarkt.
  • Mitgliedsbeiträge & Spenden: Anteil verschwindend gering im Vergleich zu den öffentlichen Leistungsentgelten.

Konsolidierte Finanzdaten für die gesamte AWO Brandenburg (alle Bezirksverbände + Tochtergesellschaften) sind nicht öffentlich verfügbar. Die oben genannten Zahlen beziehen sich auf den Bezirksverband Süd.

Verflechtungen

AWO-Bundesverband (Dachverband) DRK Brandenburg Diakonie DWBO Liga der Freien Wohlfahrtspflege BB Aktionsbündnis Brandenburg Tolerantes Brandenburg BAMF (MBE-Träger) BMFSFJ (JMD, Demokratie leben!) Landesintegrationsbeauftragte BB

Aktionsbündnis Brandenburg: Die AWO ist Mitglied des Aktionsbündnisses Brandenburg gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit — einem Zusammenschluss von über 80 Organisationen, der von der Landesregierung unterstützt und kofinanziert wird. Das Bündnis positioniert sich politisch gegen „Rechtsextremismus" und umfasst Gewerkschaften, Kirchen, Wohlfahrtsverbände und zahlreiche NGOs. Kritiker sehen darin ein staatlich finanziertes politisches Netzwerk, das unter dem Label „gegen Rechtsextremismus" eine bestimmte politische Agenda verfolgt.

Innerhalb der Liga der Freien Wohlfahrtspflege bildet die AWO zusammen mit DRK, Diakonie, Caritas und Paritätischem ein Kartell, das den Markt für soziale Dienstleistungen in Brandenburg unter sich aufteilt. Die Liga verhandelt gemeinsam mit der Landesregierung Rahmenvereinbarungen — ein System, das Wettbewerb durch Absprache ersetzt.

Kontroversen & Gegenpositionen

AWO-Skandale bundesweit

Die AWO war bundesweit in mehrere Finanzskandale verwickelt, die das Vertrauen in den Wohlfahrtsverband beschädigt haben: In Frankfurt am Main führten Ermittlungen wegen Untreue und Betrug 2019–2021 zu Rücktritten der gesamten Führung; in Thüringen wurden überhöhte Geschäftsführergehälter und Vetternwirtschaft aufgedeckt. Vergleichbare Vorfälle in Brandenburg sind bislang nicht dokumentiert.

Wirtschaftliche Abhängigkeit von Migration

Kritiker — darunter die AfD auf Landes- und Bundesebene — argumentieren, dass Wohlfahrtsverbände wie die AWO ein systemisches wirtschaftliches Interesse an hohen Migrationszahlen haben: Mehr Flüchtlinge bedeuten mehr Unterkünfte, mehr Beratungsstellen, mehr Beschäftigte und höhere Umsätze. Der Betrieb von Übergangswohnheimen und Beratungsstellen sei ein Geschäftsmodell, das von fortgesetzter Migration abhänge.

Gegenposition AWO: Die AWO betont ihren sozialdemokratischen Gründungsauftrag (1919) und verweist darauf, dass die Migrationsarbeit nur ein Teilbereich eines breiten sozialen Leistungsspektrums sei (Kitas, Pflege, Jugendhilfe, Schuldnerberatung). Die AWO führe lediglich gesetzlich vorgeschriebene Aufgaben im Auftrag von Kommunen und Land aus. Die Unterstellung eines wirtschaftlichen Interesses an Migration sei eine „zynische Verdrehung" humanitärer Arbeit.

Politische Positionierung

Die Mitgliedschaft im Aktionsbündnis Brandenburg und die Beteiligung an Kampagnen „gegen Rechtsextremismus" zeigen, dass die AWO Brandenburg sich nicht auf eine neutrale Dienstleisterrolle beschränkt, sondern politisch Position bezieht. Dies wirft die Frage auf, ob ein Wohlfahrtsverband, der fast vollständig aus öffentlichen Mitteln finanziert wird, sich politisch positionieren sollte.

Quellen

[1] AWO Landesverband Brandenburg: Offizielle Website
[2] AWO Bezirksverband Süd: Offizielle Website — Finanzkennzahlen, Leistungsbericht
[4] Aktionsbündnis Brandenburg: Mitgliederübersicht
[6] Frankfurter AWO-Skandal: diverse Medienberichte (FAZ, FR, hessenschau 2019–2021)
[7] Liga der Freien Wohlfahrtspflege Brandenburg: Rahmenvereinbarungen mit dem Land