BUND e.V.
Überblick
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist der größte deutsche Umweltverband und wurde 1975 gegründet. Mit 16 Landesverbänden und über 2.300 Ortsgruppen verfügt der BUND über eine flächendeckende Struktur in ganz Deutschland. Der Bundesverband verfügt über ein Jahresbudget von 44,9 Millionen Euro (2024); über alle Ebenen hinweg (Landes-, Kreis- und Ortsverbände) liegt das Gesamtbudget bei ca. 90 Millionen Euro.
Der BUND ist deutsches Mitglied von Friends of the Earth International, dem weltweit größten Netzwerk von Umweltorganisationen. Er nutzt das Verbandsklagerecht intensiver als jeder andere deutsche Umweltverband: Mit 49 Klagen im Zeitraum 2021–2023 belegt der BUND Platz 1 unter allen klagenden Umweltverbänden in Deutschland.
Gründung & Leitung
Der BUND wurde am 20. Juli 1975 in Marktheidenfeld (Unterfranken) gegründet. Zu den Gründervätern gehören Hubert Weinzierl, langjähriger Präsident des Deutschen Naturschutzrings, sowie Herbert Gruhl, damals CDU-Bundestagsabgeordneter und Autor des Bestsellers „Ein Planet wird geplündert". Gruhl verließ später die CDU und gründete die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP).
Seit November 2019 ist Olaf Bandt Vorsitzender des BUND. Stellvertretende Vorsitzende ist Verena Graichen — eine Personalentscheidung, die aufgrund familiärer Verflechtungen in die sogenannte Graichen-Affäre im Bundeswirtschaftsministerium für öffentliche Aufmerksamkeit sorgte (siehe Abschnitt Graichen-Verflechtung).
Finanzierung
Bundesverband 2024 — Einnahmenstruktur:
- Beiträge & Spenden: 30,2 Mio. € (67% des Budgets)
- Kostenerstattungen: 3,9 Mio. €
- Erbschaften & Vermächtnisse: 3,4 Mio. €
- Drittmittel (öffentlich): 2,9 Mio. € (6% des Budgets)
- Sonstige Einnahmen: 4,5 Mio. €
Im Vergleich zu anderen staatlich alimentierten NGOs fällt die direkte öffentliche Förderung des BUND-Bundesverbands mit 6% relativ gering aus. Der Großteil der Einnahmen stammt aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden der ca. 674.000 Mitglieder und Förderer.
Öffentliche Förderung laut Bundestagsdrucksachen:
- BMFSFJ: 249.800 € — Anti-Rechtsextremismus-Projekt im Rahmen von „Demokratie leben!" (BT-Drs. 20/15101)
- BMUV/BfN: 1.079.000 € — Naturschutzprojekte (BT-Drs. 20/15101)
- Historisch 2014–2019: ca. 21 Mio. € Bundesförderung über alle Ressorts (FDP-Anfrage, 19. Wahlperiode)
Verbandsklagerecht
Der BUND ist der mit Abstand klagefreudigste Umweltverband Deutschlands. Im Zeitraum 2021–2023 erhob der BUND 49 Verbandsklagen — mehr als jeder andere anerkannte Umweltverband. Die durchschnittliche Erfolgsquote von Verbandsklagen liegt bei ca. 50%.
Bedeutende Verfahren:
- Hambacher Wald vs. RWE: Das OVG Münster stoppte 2018 die Rodung des Hambacher Forsts auf Eilantrag des BUND — einer der öffentlichkeitswirksamsten Umwelt-Rechtsstreite der deutschen Geschichte.
- A49 / Dannenröder Forst: Der BUND klagte gegen den Weiterbau der Autobahn A49 durch den Dannenröder Forst in Hessen.
- Kohlekraftwerk Datteln IV: Klage gegen die Inbetriebnahme des Steinkohlekraftwerks Datteln IV von Uniper.
Das Verbandsklagerecht ermöglicht es anerkannten Umweltverbänden, auch ohne eigene Betroffenheit gegen Verwaltungsentscheidungen zu klagen. Kritiker sehen darin ein Instrument zur systematischen Verzögerung von Infrastrukturprojekten; Befürworter betonen die rechtsstaatliche Kontrollfunktion.
Graichen-Verflechtung
Die stellvertretende BUND-Vorsitzende Verena Graichen steht im Zentrum einer bemerkenswerten personellen Verflechtung zwischen Umweltlobby und Bundesregierung:
- Schwester von Patrick Graichen, ehemaliger Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) unter Robert Habeck. Patrick Graichen wurde im Mai 2023 wegen der sogenannten Trauzeugen-Affäre entlassen — er hatte seinen Trauzeugen Michael Schäfer ohne transparentes Verfahren zum Chef der Deutschen Energie-Agentur (dena) berufen.
- Ehefrau von Michael Kellner, Parlamentarischer Staatssekretär im BMWK und politischer Bundesgeschäftsführer der Grünen.
Diese Konstellation — BUND-Vizechefin als Schwester eines (entlassenen) Habeck-Staatssekretärs und Ehefrau eines aktiven Habeck-Staatssekretärs — wirft Fragen zur Unabhängigkeit der Verbandsarbeit gegenüber der Regierungspolitik auf. Der BUND erklärte dazu: „Die kritische Haltung des BUND wird durch persönliche Beziehungen einzelner Vorstandsmitglieder nicht beeinflusst."
Demokratie-leben!-Projekt
Der BUND erhält Fördermittel aus dem BMFSFJ-Programm „Demokratie leben!" für das Projekt:
„Blended Learning: Rechtsextreme Unterwanderung im Naturschutz stoppen"
- Fördervolumen: 500.000 € (Laufzeit 2025–2026)
- Format: Online-Kurse, Präsenz-Seminare, Praxis-Leitfaden
- Kooperationspartner: Erich-Zeigner-Haus e.V. (Leipzig)
- Zielgruppe: BUND-Ehrenamtliche, Naturschutz-Aktive
Das Projekt vermittelt, wie „rechtsextreme und völkische Akteure" Naturschutzthemen instrumentalisierten. Kritiker merken an, dass ein Umweltverband mit 674.000 Mitgliedern und 90 Mio. € Gesamtbudget derartige Schulungsprogramme aus Eigenmitteln finanzieren könnte, statt auf Steuermittel zurückzugreifen.