Campact e.V.
Überblick
Campact e.V. wurde 2004 von Christoph Bautz und Dr. Felix Kolb gegründet und ist heute eine der größten politischen Kampagnenorganisationen Deutschlands. Mit einem Jahresbudget von 24,6 Mio. € (2024) und 4,25 Millionen Unterstützern betreibt die Organisation systematische Online-Kampagnen und organisiert Großdemonstrationen. Die Geschäftsführung liegt bei Christoph Bautz und Astrid Deilmann.
2019 wurde Campact die Gemeinnützigkeit entzogen (taz). Das Berliner Finanzamt stufte die Tätigkeit als „überwiegend allgemeinpolitisch" ein — nach dem BFH-Urteil gegen Attac. Trotzdem operiert die Organisation weiter und nutzt verwandte Strukturen (WeAct, Campact Service GmbH, CampactStiftung) zur Umgehung der Einschränkungen.
Finanzierung
Einnahmen 2024 (Campact Transparenzbericht):
- Campact e.V.: 24,63 Mio. € (57% Förderbeiträge, 30% Kampagnenspenden, 12% freie Spenden)
- Demokratie-Stiftung Campact: 4,3 Mio. € → Ausgaben: 3,7 Mio. €
- Gesamt Campact-Netzwerk: ~28,9 Mio. €
- Förderer Ende 2024: 127.668 Personen (+44% ggü. Vorjahr), Ø 10,04 €/Monat
Ausländische Großspender (belegt durch Transparenzberichte 2019–2022):
- Open Society Foundations (Soros): €268.838 für „Demokratieprojekte" (2022)
- ClimateWorks Foundation (USA): €153.711 (2019), €157.139 (2020), €142.904 (2021) — Anti-Kohle/Klimakampagnen
- European Climate Foundation (Den Haag): €55.000 (2021), €80.000 (2022)
Eine parlamentarische Anfrage im EU-Parlament (E-001842/2024) thematisierte die ausländische Einflussnahme auf deutsche Wahlen über Campact.
Parteispenden 2024 (laut Bundestagsverwaltung/NachDenkSeiten):
- Grüne: mind. €161.300 (August) + weitere Spenden
- SPD: €160.000 (September)
- Linke: €96.600
- Gesamt: mind. €667.005 an Grüne, SPD, Linke, Freie Wähler
Campact war 2024 der größte Einzelspender für Grüne und Linke. Die Spenden flossen gezielt vor den Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen, um AfD-Direktmandate zu verhindern (CORRECTIV Faktencheck, Sep 2024).
Gemeinnützigkeit — Entzug und Folgen
Der Entzug der Gemeinnützigkeit 2019 durch das Finanzamt Berlin war ein Einschnitt — aber kein wirksames Korrektiv. Die Organisation hat ihre Strukturen so umgebaut, dass die politische Kampagnenarbeit weiterläuft, während formell gemeinnützige Teilprojekte den Steuervorteil behalten.
Politische Kampagnen
Campact führt regelmäßig Kampagnen gegen demokratisch gewählte Parteien und deren Positionen. Das Instrumentarium umfasst Online-Petitionen mit Millionenreichweite, Demonstration-Mobilisierung, Social-Media-Kampagnen und negative Framing-Strategien, die über das Campact-Netzwerk verbreitet werden.
Die Organisation positioniert sich dabei als „Bürgerbewegung", obwohl sie de facto eine professionelle Kampagnenorganisation mit zweistelligem Millionenbudget ist.
Verflechtungen
HateAid gGmbH: 2018 von Campact mit €25.000 Stammkapital gegründet. Campact hält 50% der Anteile (HateAid Transparenzbericht). HateAid erhielt €2.183.250 aus „Demokratie leben!" (2021–2024) für das „Kompetenznetzwerk Hass im Netz" (Bundestag hib). Zusätzlich flossen 2024 €350.000 von der Campact-Stiftung an HateAid. 54 Beschäftigte, €5,77 Mio. Gesamteinnahmen 2024.
Demokratie-Stiftung Campact: Verein und Stiftung bezeichnen sich als „eine Bewegung — zwei Körperschaften" (Stiftungs-Transparenzseite). Die Vorsitzende Daphne Heinsen ist gleichzeitig Vorstandsmitglied des Vereins. Der Stiftungsrat wird mehrheitlich vom Vereinsvorstand besetzt. 2024 verteilte die Stiftung u.a.: €325.000 an AAS (inkl. „Gegenwind"-Förderfonds), €350.000 an HateAid, €30.000 an VVN-BdA, €212.000 an Aufstehn.at.
Internationales Schwesternetzwerk: Campact ist Teil eines globalen Netzwerks gleichartiger Kampagnenorganisationen: Aufstehn.at (Österreich), 38 Degrees (UK), Zazim (Israel), Declic (Rumänien), Centar za promene (Serbien), aHang (Ungarn), Skiftet (Schweden). Die Campact-Stiftung finanzierte 2024 den „Organisationsaufbau" bei Aufstehn.at (€212K), Declic (€138K), Zazim (€100K) und Centar za promene (€30K).