Amadeu Antonio Stiftung
Überblick
Die Amadeu Antonio Stiftung (AAS) ist eine 1998 gegründete Stiftung mit Sitz in Berlin. Laut Jahresbericht 2024 beliefen sich die Gesamteinnahmen auf rund 12,5 Millionen Euro, davon ca. 9,1 Millionen aus staatlichen Quellen — vorwiegend über das BMFSFJ-Programm „Demokratie leben!" sowie Bundes- und Landesmittel (AAS Jahresbericht 2024).
Strukturell befindet sich die AAS in einer Doppelrolle: Als Koordinierungsstelle des KompRex-Netzwerks innerhalb von „Demokratie leben!" ist sie operativ in die Programmstruktur eingebunden und gleichzeitig Empfängerin von Fördermitteln desselben Programms. Der Bundesrechnungshof kritisierte 2024, dass „Demokratie leben!" insgesamt an mangelnder Zielkontrolle und Wirkungsmessung leide (Bundesrechnungshof 2024).
Gründung & Leitung
Die Stiftung wurde 1998 auf Initiative von Anetta Kahane von Karl Konrad von der Groeben gestiftet. Kahane war bis März 2022 Vorstandsvorsitzende; Stellvertreter und Geschäftsführer ist Timo Reinfrank. Kahanes Biografie umfasst eine dokumentierte Tätigkeit als Inoffizielle Mitarbeiterin (IM) des MfS der DDR unter dem Decknamen „Victoria" von 1974–1982 (bestätigt durch BStU-Gutachten von Dr. Helmut Müller-Enders, 26.11.2014; WD 1-019/18, S. 5–6).
Anetta Kahane war Mitglied der Task Force gegen Hassrede im Internet des Bundesjustizministeriums (BMJV), einberufen Oktober 2015 unter Justizminister Heiko Maas, gemeinsam mit Facebook, Google und Twitter (Meta/Facebook Ankündigung, Jan 2016). Im Januar 2016 beriet die AAS Facebooks „Initiative für Zivilcourage Online" zur Erkennung von Hassrede.
Finanzierung
Budgetentwicklung:
- 2016: €2,55 Mio. (davon €1,63 Mio. Zuschüsse, €860K Spenden) — WD 1-019/18, S. 6
- 2023: €9,5 Mio. (davon ca. €6,3 Mio. staatlich = 66%) — Jahresabschluss 2023
- 2024: €12,5 Mio. (davon €9,1 Mio. staatlich = 73%) — Jahresbericht 2024
- 2020–2024 kumuliert: ca. €17,96 Mio. Bundesförderung — BT-Drs. 20/15101 (Antwort auf 551 Fragen der CDU/CSU)
Das Budgetwachstum von €2,5 Mio. (2016) auf €12,5 Mio. (2024) entspricht einer Verfünffachung in 8 Jahren. Der staatliche Anteil stieg von ca. 64% auf 73%. Hauptgeldgeber: BMFSFJ (direkt + über „Demokratie leben!"-Strukturen), BMI, BPB (ca. €600K), Landesmittel und EU-Förderungen.
Demokratie-leben!-Einzelförderungen (laut BT-Drs. 19/1012, Antwort auf AfD-Anfrage 2018):
- Rechtsextremismus und Gender: €219K (2015) → €300K (2017)
- Praxisstelle antisemitismus-/rassismuskritische Jugendarbeit: €125K → €138K
- Debate – digitale demokratische Kultur: €130K → €180K
- Civic.net – Aktiv gegen Hass im Netz: €43K (2017)
Strukturelle Doppelrolle
Die AAS betreibt als Trägerin die Koordinierungsstelle des KompRex-Netzwerks (Kompetent in der Rechtsextremismusprävention) innerhalb des Bundesprogramms „Demokratie leben!" — Fördersumme: 622.917 Euro (AAS/KompRex). Gleichzeitig erhält die AAS als Organisation selbst Fördermittel aus demselben Programm.
Diese Doppelrolle — operative Einbindung in die Programmstruktur bei gleichzeitigem Empfang von Fördermitteln — wirft Transparenzfragen auf. Ob die AAS darüber hinaus in Gremien sitzt, die direkt über die Vergabe von Fördermitteln entscheiden, konnte nicht anhand öffentlich zugänglicher Quellen verifiziert werden. Dokumentiert ist die Mitgliedschaft der AAS in 14+ Netzwerken und Arbeitsgemeinschaften (siehe Verflechtungen) sowie die Berufung Kahanes in die BMJV-Task Force gegen Hassrede (2015). Die Task Force beriet über Standards für Social-Media-Plattformen, die dann von Facebook/Meta zur Inhaltsmoderation herangezogen wurden — die AAS war somit an der Definition von Löschkriterien beteiligt, ohne selbst Löschentscheidungen zu treffen.
Der Bundesrechnungshof kritisierte 2024 das Programm „Demokratie leben!" insgesamt: mangelnde Wirkungskontrolle, fehlende konkrete Zieldefinitionen und unzureichende Dokumentation der Mittelverwendung (BRH 2024). Diese systemische Kritik betrifft nicht nur die AAS, sondern das gesamte Förderprogramm.
Verflechtungen
Laut Sachstand der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags (WD 1-019/18, S. 4–5) ist die AAS Mitglied in folgenden Netzwerken und Arbeitsgemeinschaften:
Als wichtigste Kooperationspartner nennt die AAS selbst: das BMFSFJ, die Freudenberg Stiftung sowie das Magazin stern (gemeinsame Kampagne „Mut gegen rechte Gewalt"). Mit der BPB bestand von 2006–2010 eine gemeinsame Webpublikation zu Rechtsextremismus; die BPB fördert die AAS zudem mit ca. €600.000 (bpb Trägerdatenbank).
Campact-Zuflüsse (2024): Die Demokratie-Stiftung Campact überwies 2024 insgesamt €325.000 an die AAS, davon €300.000 für den „Gegenwind"-Förderfonds für Ostdeutschland, über den 229 Projekte gegen Rechtsextremismus gefördert wurden (AAS: „Gegenwind wirkt!"). Campact ist damit — neben dem Bund — einer der wichtigsten privaten Geldgeber der AAS.
Recherche-Dashboard
Das interaktive Dashboard zeigt Finanzströme, Netzwerkverbindungen und dokumentierte Kontroversen: