Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)
Überblick
Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ist ein 1992 gegründetes Leibniz-Institut mit Sitz auf dem Telegrafenberg in Potsdam. Es ist das einflussreichste deutsche Klimaforschungsinstitut und berät direkt Bundesregierung, EU-Kommission, Vatikan und Weltbank. Das Jahresbudget liegt bei rund 40 Millionen Euro — finanziert durch Bund, Land Brandenburg, EU und private Stiftungen ([1]).
Im Dezember 2025 mussten PIK-Autoren eine viel beachtete Nature-Studie zurückziehen — nachdem vier unabhängige Fehler in der Methodik gefunden wurden, die die Ergebnisse nicht mehr tragbar machten. Die Studie war zu diesem Zeitpunkt bereits als Grundlage für Klimarisiko-Szenarien der EZB, Weltbank und OECD übernommen worden ([2]).
PIK-Direktor Ottmar Edenhofer sagte 2010 in der NZZ: „Wir verteilen durch die Klimapolitik de facto das Weltvermögen um." Und: „Man muss sich von der Illusion freimachen, dass internationale Klimapolitik Umweltpolitik ist." ([3])
Finanzierung
Gesamtbudget 2024: ~40 Mio. € ([4])
| Quelle | Betrag (2024) |
| Land Brandenburg (MWFK) | 15,58–15,59 Mio. € |
| BMBF (jetzt BMFTR) | 12,68–12,69 Mio. € |
| EU (Horizon u.a.) | 5,37–5,38 Mio. € |
| BMWK | 620.000–630.000 € |
| BMZ | 480.000–490.000 € |
| BMUV + AA + BLE | ~1,15 Mio. € |
Quelle: Lobbyregister R007117, Jahresangaben 2024 ([1])
Kumulierte Bundesmittel 2000–2018: 146.026.510 Euro (BT-Drs. 19/4318) ([5]).
MCC-Integration 2025: Das Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC), gegründet 2012 mit 17 Mio. € von der Stiftung Mercator (+12 Mio. € Nachfinanzierung), wurde zum 01.01.2025 als 5. Forschungsabteilung ins PIK integriert. Das PIK erhielt dafür eine permanente Grundfinanzierungserhöhung von 3,8 Mio. €/Jahr ([6]).
Nature-Retraction: Der Klimaschäden-Skandal
Studie: „The economic commitment of climate change" (Kotz, Levermann, Wenz), Nature 628, April 2024.
Retrahiert: 3. Dezember 2025 ([7]).
Originalbehauptung: 38 Billionen USD jährliche Klimaschäden, 19% globaler Einkommensverlust bis 2050.
Vier unabhängige Fehler
- Usbekistan-Anomalie (Bearpark/Princeton, Hsiang/Stanford): Fehlerhafte Wirtschaftsdaten für Usbekistan 1995–1999 verzerrten die globalen Ergebnisse. Entfernung Usbekistans allein reduzierte die Schadensschätzung um rund zwei Drittel ([8])
- Räumliche Korrelation (Schötz/TU München): Mittlere Residual-Korrelation von 0,65 innerhalb von Ländern nicht berücksichtigt. Bei korrekten länderjahr-geclusterten Standardfehlern wurden alle Schlüsselkoeffizienten statistisch insignifikant ([9])
- Fehlende Basisvariablen (Richard Tol/Sussex): Interaktionsterme ohne Basislevel-Variablen → Ergebnisse „nicht interpretierbar, verzerrt, nicht extrapolierbar". Tol nannte es eine „Data-Mining-Übung" mit 110 Wettervariablen ([10])
- Dezimal/Prozent-Fehler: Nature-Korrektur Juli 2024 — Datenzeilen als Dezimalzahl statt Prozentpunkt formatiert
Peer-Review-Versagen: Alle vier Gutachter hatten vor der Publikation Warnungen ausgesprochen. Ein Reviewer: „the statistical methodology has no scientific basis whatsoever". Nature publizierte trotzdem ([11]).
Politische Übernahme vor Retraction: Die Studie war bereits übernommen worden von: NGFS (Zentralbanken-Klimarisiko), EZB, Weltbank, OECD, US Congressional Budget Office, UK Office for Budget Responsibility. Politische Entscheidungen in Billionenhöhe basierten auf fehlerhaften Daten.
Lint Barrage (ETH Zürich): „Wenn dein Ziel ist, den Fall für den Klimawandel zu machen, hast du die Grenze vom Wissenschaftler zum Aktivisten überschritten — und warum sollte die Öffentlichkeit dir vertrauen?" ([12])
Schlüsselpersonen und ihre Positionen
Ottmar Edenhofer (Direktor/Chefökonom)
Gleichzeitig: PIK-Direktor, ehem. MCC-Direktor, Vorsitzender EU-Klimabeirat (ESABCC), Ko-Vorsitz Wissenschaftsplattform Klimaschutz (berät Bundesregierung), Consultor Vatikan, Mitglied Weltbank/IWF-HLAG, Mitglied Agora-Energiewende-Rat, ehem. Ko-Vorsitzender IPCC Working Group III (2008–2015), registrierter Lobbyist für PIK ([13]).
Johan Rockström (Direktor)
Gleichzeitig: PIK-Direktor, Chief Scientist Conservation International, Ko-Vorsitzender Earth Commission, Board-Mitglied EAT Foundation + Global Challenges Foundation, ehem. Direktor Stockholm Resilience Centre ([14]).
Hans Joachim Schellnhuber (Gründer)
PIK-Gründungsdirektor (1992–2018). 28 Jahre WBGU-Vorsitz. Klimaberater von Kanzlerin Merkel (seit 2007). Jetzt IIASA-Generaldirektor. Berater von Barroso und von der Leyen. Mitglied Päpstliche Akademie der Wissenschaften. Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ([15]).
Stefan Rahmstorf
Erstunterzeichner Scientists for Future (2019). 2011 vom LG Köln verurteilt wegen Blogangriffen auf eine Wissenschaftsjournalistin ([16]).
Brigitte Knopf (MCC/PIK)
Doktorandin und Wissenschaftlerin am PIK (2001–2014), dann MCC-Generalsekretärin. Seit 2020 stellvertretende Vorsitzende des Expertenrats für Klimafragen — des Gremiums, das die Klimapolitik der Bundesregierung begutachtet ([17]).
Die Mercator-Galaxie: >96 Mio. € aus einer Stiftung
Die Stiftung Mercator hat über 96 Millionen Euro in ein Netzwerk aus Klima-Think-Tanks investiert, das eng mit dem PIK verflochten ist:
| Empfänger | Betrag |
| MCC (jetzt PIK-Abteilung) | ~29 Mio. € (17 + 12) |
| Agora Energiewende | ~27 Mio. € |
| Agora Verkehrswende | ~18,5 Mio. € |
| Agora Digitale Transformation | 8,6 Mio. € |
| Clean Energy Wire | ~11,6 Mio. € |
| Summe Klimabereich | >96 Mio. € |
PIK-Direktor Edenhofer sitzt im Rat der Agora Energiewende — also im Beratungsgremium einer Organisation, die von derselben Stiftung finanziert wird, die auch sein Institut (MCC) gegründet hat ([18]).
Im PIK-Kuratorium sitzt Christoph Bals, politischer Geschäftsführer von Germanwatch — einer der einflussreichsten Klima-NGOs Deutschlands ([19]).
Drehtür: Vom Institut ins Ministerium und zurück
- Patrick Graichen: Referent BMU → Agora-Energiewende-Direktor (2012–2022, Mercator-finanziert) → Staatssekretär BMWK unter Habeck (2022–2023, Rücktritt wegen Trauzeugen-Affäre) ([20])
- Rainer Baake: Staatssekretär BMU (1998–2005) → DUH-Bundesgeschäftsführer (2006–2012) → Agora-Energiewende-Gründer (2012) → Direktor Stiftung Klimaneutralität
- Brigitte Knopf: PIK-Doktorandin → PIK-Wissenschaftlerin → MCC-Generalsekretärin → Expertenrat für Klimafragen (begutachtet Regierung)
- Schellnhuber: PIK-Gründer → Klimaberater Merkel → WBGU-Vorsitz → Bauhaus Earth (2,5 Mio. € Laudes Foundation) → IIASA-Generaldirektor
Die Alarmismus-Debatte
Bjørn Stevens (MPI Hamburg) — Schwerste interne Kritik
Im Oktober 2022 erklärte MPI-Direktor Bjørn Stevens in der ZEIT: PIK-Tipping-Point-Vorhersagen nutzten eine „viel schwächere private Definition" von Kipppunkten. PIK-Worst-Case-Szenarien zum Wolkenverschwinden seien „Unsinn", basierend auf falsch zitierter MPI-Arbeit. „Die alarmierendsten Geschichten halten einer wissenschaftlichen Prüfung oft nicht stand."
Schellnhuber nannte Stevens' Kritik „verantwortungslos" — sie versuche, „unter dem Deckmantel der Vorsicht das Gift des Zweifels in die öffentliche Debatte zu säen".
RCP8.5 / SSP5-8.5 — Das Extremszenario als Standard
PIK-Forschung stützt sich stark auf das extremste Emissionsszenario (RCP8.5). Hausfather & Peters (Nature 2020): „Die in RCP8.5 vorgestellte Welt wird mit jedem Jahr unplausibler." Pielke Jr. (AEI): Stufte den Missbrauch extremer Szenarien als #1-Klimawissenschaftsskandal 2024 und 2025 ein.
Transparenzprobleme
- Lobbying-Budget 30–40k €/Jahr deklariert — bei einem Institut, dessen Direktoren persönlich Kanzler, EU-Kommission, Vatikan und Weltbank beraten. Das ist nicht glaubwürdig
- Kein Bundesrechnungshof-Bericht trotz ~40 Mio. €/Jahr öffentlicher Mittel. In keiner Recherche auffindbar
- Kein Wikipedia-Kritik-Abschnitt trotz Nature-Retraction und Stevens-Alarmismus-Vorwurf
- ClimateWorks Foundation (US-Advocacy-Funder, finanziert durch Hewlett, Packard, Bloomberg) finanziert direkt PIK-Projekte — potentieller Interessenkonflikt
- Edenhofer NZZ 2010: „Klimapolitik = Umverteilung des Weltvermögens" — eine Aussage, die die Grenze zwischen Forschung und politischer Agenda offenlegt
Parlamentarische Initiativen
- BT-Drs. 19/3795 + 19/4318 (FDP, 2018): Anfrage zu PIK-Verträgen → Antwort: 146 Mio. € kumulierte Bundesmittel 2000–2018
- BT-Drs. 21/2914 (AfD, 2025): Anfrage zur Nature-Studie → Regierungsantwort BT-Drs. 21/3187
- LT-Drs. 8/1750 (AfD Brandenburg, 16.09.2025): Antrag auf komplette Streichung der PIK-Landesförderung → Ministerin Schüle (SPD) lehnte „kategorisch" ab