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HateAid gGmbH

HateAid gGmbH
Kurzprofil
Typgemeinnützige GmbH
Gründung2018
SitzBerlin
GeschäftsführungAnna-Lena von Hodenberg (Co-CEO), Josephine Ballon (Co-CEO)
Mitarbeiter50+
Jährl. Budget~4,5–5,8 Mio. € (2024)
Öffentl. Mittel25,2% (2023)
HauptfördererBMJ, BMFSFJ, Alfred Landecker Foundation
GesellschafterCampact e.V. (33,32%), von Hodenberg (33,34%), Fearless Democracy e.V. (33,34%)
KategorieNGO-Komplex

Überblick

HateAid gGmbH ist eine 2018 gegründete gemeinnützige GmbH mit Sitz in Berlin, die sich nach eigener Darstellung als „überparteiliche" Organisation für Betroffene digitaler Gewalt einsetzt und nach eigenen Angaben zu 89% Privatpersonen unterstützt (HateAid Faktencheck). Laut dem eigenen Transparenzbericht 2024 beliefen sich die Einnahmen auf 4.497.477 Euro (HateAid Transparenzbericht 2024). Im EU-Transparenzregister ist dagegen ein Jahresbudget von 5.774.000 Euro verzeichnet (LobbyFacts/EU Transparency Register) — eine Diskrepanz von rund 1,3 Millionen Euro, die nicht öffentlich erklärt wird.

Seit Juni 2025 ist HateAid von der Bundesnetzagentur als offizieller Trusted Flagger nach dem Digital Services Act (DSA) benannt. Meldungen von Trusted Flaggern werden von Plattformen wie YouTube, Facebook und TikTok vorrangig bearbeitet (BNetzA Pressemitteilung, Juni 2025). HateAid-Co-CEO Josephine Ballon ist gleichzeitig stellvertretende Vorsitzende des DSA-Beirats derselben Bundesnetzagentur — ein struktureller Interessenkonflikt, den die Organisation bisher nicht adressiert hat.

Gründung & Leitung

HateAid wurde 2018 von Anna-Lena von Hodenberg, Gerald Hensel (über den Verein Fearless Democracy e.V.) und Astrid Deilmann gegründet. Tragende Gründungsorganisationen waren Campact e.V. und Fearless Democracy e.V. (taz: Wer und was steckt hinter HateAid).

Gesellschafterstruktur: Campact e.V. hält 33,32%, Anna-Lena von Hodenberg 33,34% und Fearless Democracy e.V. 33,34% der Anteile. Die operative Leitung teilen sich von Hodenberg als Co-CEO und Josephine Ballon als Co-CEO und Leiterin der Rechtsabteilung (HateAid Transparenzbericht 2024).

Mitgründer Gerald Hensel war bereits 2016 durch die Kampagne #KeinGeldFuerRechts bekannt geworden, mit der Unternehmen öffentlich aufgefordert wurden, Werbung auf als „rechts" eingestuften Medien zu stoppen — de facto eine Blacklist-Kampagne, die von Kritikern als Eingriff in die Pressefreiheit bewertet wurde (European Conservative: Portrait of a Trusted Flagger).

Finanzierung

Öffentliche Förderung (2024):

Der staatliche Förderanteil betrug laut eigenem Transparenzbericht 2023 rund 25,2% (HateAid Transparenzbericht 2024). Die Gesamteinnahmen weichen je nach Quelle erheblich voneinander ab: Der eigene Transparenzbericht weist 4.497.477 Euro aus, während im EU-Transparenzregister 5.774.000 Euro eingetragen sind (LobbyFacts).

Lobbyarbeit: Im EU-Transparenzregister sind 7 Lobbyisten für HateAid gemeldet. Die Organisation verfügt über eine EP-Akkreditierung und hatte mindestens 6 Treffen mit der Europäischen Kommission (LobbyFacts). Im deutschen Lobbyregister ist HateAid ebenfalls eingetragen (Lobbyregister Bundestag).

Trusted Flagger & DSA

Im Juni 2025 wurde HateAid von der Bundesnetzagentur als offizieller Trusted Flagger gemäß Art. 22 des Digital Services Act (DSA) benannt (BNetzA Pressemitteilung). Meldungen von Trusted Flaggern werden von Plattformen prioritär bearbeitet — sie haben damit faktisch einen bevorzugten Zugang zur Inhaltsentfernung auf sozialen Medien (HateAid: Trusted Flagger).

Struktureller Interessenkonflikt: HateAid-Co-CEO Josephine Ballon ist zugleich stellvertretende Vorsitzende des DSA-Beirats der Bundesnetzagentur — also desselben Regulators, der HateAid den Trusted-Flagger-Status verliehen hat. Die Bundesnetzagentur reguliert und beaufsichtigt die Trusted Flagger, deren eigene Co-Chefin im Beirat der Aufsichtsbehörde sitzt. Diesen strukturellen Interessenkonflikt hat weder HateAid noch die Bundesnetzagentur bisher öffentlich adressiert (European Conservative: Portrait of a Trusted Flagger).

Bereits seit 2020 war HateAid freiwilliger Trusted Flagger bei YouTube. Die Organisation nutzt den Status, um Inhalte systematisch zur Löschung zu melden — ein Verfahren, das von Kritikern als staatlich legitimierte Zensurmöglichkeit einer NGO mit erkennbarer politischer Ausrichtung bewertet wird (Pirate Parties International, Jan 2026).

Kontroversen

Campact-Gemeinnützigkeit (2019): Der Gesellschafter Campact e.V. (33,32%) verlor im Oktober 2019 seinen Gemeinnützigkeitsstatus. Die Frage, ob eine gemeinnützige GmbH von einer Organisation ohne Gemeinnützigkeit mitgetragen werden kann, bleibt ein wiederkehrender Kritikpunkt (siehe Wiki: Campact e.V.).

Kostenlose Rechtshilfe für Politiker der Grünen: HateAid leistete umfangreiche kostenlose Prozessbegleitung und Klagehilfe für prominente Politiker, darunter Robert Habeck (über 700 gemeldete Hasskommentare), Annalena Baerbock, Claudia Roth und Cem Özdemir. Renate Künast sitzt im HateAid-Beirat. Gleichzeitig wird HateAid über das BMFSFJ gefördert — unter der Leitung der Grünen-Ministerin Lisa Paus. Die Nähe zwischen geförderter Organisation und förderndem Ministerium wirft Fragen zur behaupteten Überparteilichkeit auf (European Conservative).

Jurassica-Parka-Skandal (Nov. 2024): HateAid bewarb öffentlich den Drag-Performer Jurassica Parka als Unterstützer. Der Performer geriet anschließend unter Ermittlungen wegen des Verdachts auf Besitz kinderpornographischer Inhalte. HateAid entfernte die entsprechenden Beiträge, gab aber keine öffentliche Stellungnahme ab (European Conservative).

Einstweilige Verfügungen gegen Medien: HateAid erwirkte gerichtliche Verfügungen gegen die Medien NIUS, Achse des Guten und Compact-Magazin. Kritiker sehen darin ein Muster, mit dem eine staatlich geförderte NGO juristisch gegen konservative und alternative Medien vorgeht (European Conservative).

US-Sanktionen (Dez. 2025): Am 23. Dezember 2025 verhängte das US-Außenministerium unter Leitung von Marco Rubio Visa-Sperren gegen beide HateAid-Geschäftsführerinnen (von Hodenberg und Ballon) wegen des Vorwurfs, an der Einschränkung der Meinungsfreiheit beteiligt gewesen zu sein (CNN: Rubio sanctions). HateAid wies die Vorwürfe zurück und bezeichnete die Sanktionen als „Angriff auf die europäische Rechtsstaatlichkeit" (HateAid Faktencheck).

Pirate Parties International (Jan. 2026): Die internationale Piratenpartei veröffentlichte eine Analyse, in der HateAid als „warnendes Beispiel für die digitale Freiheit" bezeichnet wird. Die Analyse kritisierte die Verbindung von staatlicher Förderung, Trusted-Flagger-Status und politischer Einflussnahme als Bedrohung für die Meinungsfreiheit im Internet (Pirate Parties International).

Gegenposition: HateAid bezeichnet sich selbst als „überparteilich" und betont, dass 89% der unterstützten Betroffenen Privatpersonen seien. Die Organisation argumentiert, dass digitale Gewalt ein gesamtgesellschaftliches Problem sei und die Unterstützung unabhängig von politischer Zugehörigkeit erfolge (HateAid Faktencheck).

Verflechtungen

HateAid ist in ein dichtes Netz aus staatlichen Förderstrukturen, Stiftungen und NGO-Netzwerken eingebunden:

Campact e.V. (33% Gesellschafter) Fearless Democracy e.V. (33% Gesellschafter) BMFSFJ / Demokratie leben! BMJ (Bundesjustizministerium) Bundesnetzagentur DSA-Beirat Alfred Landecker Foundation Neue deutsche Medienmacher*innen (KN Hass im Netz) Das NETTZ (KN Hass im Netz) jugendschutz.net (KN Hass im Netz) EU-Kommission (DSA-Lobbying)

Im Kompetenznetzwerk gegen Hass im Netz (gefördert über „Demokratie leben!") arbeitet HateAid zusammen mit Das NETTZ, jugendschutz.net und den Neuen deutschen Medienmachern. Das Netzwerk berät die Bundesregierung zur Regulierung digitaler Inhalte — die teilnehmenden Organisationen sind damit gleichzeitig Empfänger öffentlicher Förderung und Berater der fördernden Ministerien (HateAid Transparenzbericht 2024).

Über die Alfred Landecker Foundation flossen seit 2021 insgesamt 3,3 Millionen Euro an HateAid. Die Stiftung finanziert die „Landecker Digital Justice Movement", deren zentraler Partner HateAid ist (Landecker Foundation).

Parlamentarische Initiativen

IFG-Anfrage (FragDenStaat) — Unterstützung der HateAid gGmbH durch Bundesministerien (FragDenStaat)
BMJ-Förderung — Haushaltsausschuss beschließt weitere Förderung von HateAid (HateAid Meldung)

Quellen

[9] Alfred Landecker Foundation: The Landecker Digital Justice Movement
[13] Campact Gemeinnützigkeit — siehe Wiki: Campact e.V.